Kolpingsfamilie Oberwesel im Mittelrheintal / zur Startseite



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Zukunftsaufgaben: Bildung – Innovation – Ethik

(03.11.2009) Podiumsdiskussion der Kolpingsfamilie Oberwesel formuliert Ziele für ein wettbewerbsfähiges Deutschland und ein zukunftsfähiges Mittelrheintal

Oberwesel. „Krise in der Welt — Jammern im Tal?“ Unter diesem Slogan hatte die Kolpingsfamilie Oberwesel zu einer spannungsreichen Podiumsdiskussion in das Kulturhaus eingeladen. Zahlreiche Interessierte waren gekommen um zu hören, welche Perspektiven das Mittelrheintal in Zeiten des globalen Wandels erwarten.
Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden Marius Stiehl übernahm der Wirtschaftsredakteur des SWR Gerhard Hohmann die Moderation. Hohmann führte zunächst in die Problematik des Themas ein und schilderte die aktuelle Lage in Deutschland und alle negativen Entwicklungen durch die Finanz- und Wirtschaftskrise. Dabei zeichnete er ein Bild, das deutlich auf Veränderung und Ernüchterung hinausläuft und auch an den Menschen im Weltkulturerbe nicht ohne Wirkung vorbeirauschen wird.
Redakteur Hohmann stellte die Podiumsteilnehmer vor und forderte sie zu einem Statement aus ihrer Sicht der Dinge auf.
Thomas Maurer, Stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsleitung der Sebapharma  GmbH & Co. KG, Boppard-Bad Salzig beschrieb den Entwicklungsprozess seines weltweit agierenden Unternehmens, den Visionen und der Herausforderungen der Zukunft. „Die Marktposition zu halten, geeignete und hoch qualifizierte Mitarbeiter zu finden ist die permanente Aufgabenstellung. Die Politik hat zu wenig den Mittelstand im Blick und ich wünsche mir die Förderung von Innovation“, so das Credo von Maurer.
Odo Steinmann, Vorstand der Volksbank Rhein-Nahe-Hunsrück e.G., Bad Kreuznach erläuterte den Wandel aus der Perspektive einer jetzt großen Regionalbank, die eher konservativ arbeitet und damit im Rahmen der Finanzkrise auch gute Erfahrungen machen konnte. „Wir haben den Schritt zur Fusion bewusst zu einem Zeitpunkt gewagt, indem wir gut aufgestellt sind, um uns fit zu machen für die Zukunft“, so Steinmann zu dem Zusammenschluss der Volksbanken Boppard und Nahetal zur neuen Volksbank Rhein-Nahe-Hunsrück e.G.. Allerdings erlebt die Bank aktuell schon wieder, dass Kunden sich umorientieren, weil andernorts geringfügig höhere Renditen – möglicherweise mit größerem Risiko geboten werden. Die Bank sucht geeignete Schulabgänger für eine Ausbildung.
Hubertus Jäckel, Dipl.-Ing. Architekt aus Oberwesel nahm einen Blick auf die Entwicklung der Bauwirtschaft im Allgemeinen und auf die Situation im Rheintal im Besonderen. Dabei erkennt er ein gutes Potential für die Sanierung im vorhandenen Bestand der kleinen Städte am Mittelrhein, allerdings blieb er eine visionäre Zeichnung einer idealen Kleinstadt nach Aufforderung von Wirtschaftsredakteur Hohmann schuldig.
Pfarrer Ottmar Dillenburg, der Bundespräses des Kolpingwerkes Deutschland aus Köln beschrieb eindrucksvoll die ethische Grundlage der sozialen Marktwirtschaft, die bei allem Streben im Blick sein müsse. „Geiz ist geil“ – wenn das die Grundlage des Handelns ist, dann brauche sich keiner über die Auswirkungen zu wundern. Faire Produkte zu fairen Preisen, das ist nicht nur in der Region, sondern auch weltweit eine große Aufgabenstellung, die von allen Konsumenten beeinflusst werden.“ Dillenburg zeichnete eine Vision des fairen Handelns.
Dr. Achim Schloemer, Geschäftsführer der Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH, Koblenz berichtet über Auswirkungen und aktuelle Entwicklungen nach der Finanz- und Wirtschaftskrise. Das Reiseland Deutschland habe profitiert und in Rheinland-Pfalz besonders die Region Mosel. Am Mittelrhein spüre man in den letzten Jahren einen leichten Wachstumstrend, aber auch Stagnation. Der Bahnlärm sei nicht das Problem allen Übels. Neben den hervorragenden Erfolgen junger Winzer, braucht es weitere Tourismus-Produkte mit hoher Qualität. „Daran fehlt es noch deutlich“, so Schloemer.
Auch in der anschließenden Diskussion der Podiumsteilnehmer mit Wirtschaftsredakteur Hohmann und dem Publikum wurden die Themen Bildung, Tourismus und Ethik im Hinblick auf die Zukunftsfähigkeit diskutiert. Alle Diskutanten betrachteten auch die Thematik der demographischen Entwicklung in Deutschland und der Region. Hohmann nahm ebenso einen Blick auf die Ergebnisse der geführten Koalitionsvereinbarungen der neuen Bundesregierung und befragte die Teilnehmer dazu. Die Feststellung, dass zu wenig Mittelständler in der Politik aktiv seien, bestätigte Thomas Maurer und begründete dies mit dem Zeitaufwand für ein Unternehmen und in seinem Falle gelte, „wenn ich etwas mache, dann mache ich das richtig.“ Maurer kritisierte die Qualität der Einrichtungen an Schulen und forderte ein Mittagessen für alle Schüler. Etliche Teilnehmer widersprachen Schloemer, den Bahnlärm nur als Randproblem zu sehen. Gäste würden eben wegen des Bahnlärms nur allzu kurz verweilen, Immobilien verlieren dramatisch an Wert und der Fortzug junger Menschen verstärke die demographische Entwicklung im Tal außerordentlich. Auch das Thema Wert der Familie und die Bedeutung der Erziehung in der Familie wurde aus dem Publikum heraus angesprochen. Hier müsse ein neuer Fokus deutlich gesetzt werden. Insgesamt zeigte sich in der Diskussion drastisch, dass im Rahmen der Ausbildung junger Menschen ein hoher Faktor der Zukunftsfähigkeit liege. Werte wie Pünktlichkeit, Verlässlichkeit, Ehrlichkeit und ähnlicher Attribute seien die Grundlage einer funktionierenden Gesellschaftsordnung.
Das Jammern nichts bringt, das sahen alle Beteiligten der spannenden Diskussionsveranstaltung in Oberwesel so und aus diesem Grunde stand am Ende die Aufforderung des Vorsitzenden der Kolpingsfamilie, Marius Stiehl, sich gerade in den vielfältigen Vereinen zu engagieren und dort seinen jeweiligen Beitrag zur Gestaltung der Gesellschaft zu leisten. Bei einem guten Tropfen Oberweseler Wein wurde noch ausreichend danach weiterdiskutiert.