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Anselm Grün fasziniert 500 Zuhörer in Oberwesel

(13.10.2014) Benediktiner-Mönch war Gast der Kolpingsfamilie

Der mit Orgeltönen erfüllte Kirchenraum des Oberweseler Liebfrauendoms, das Heraustreten des Referenten aus dem hochgotischen Chor, die Begrüßung durch Kolping-Präses Pastor Manfred Weber und die Eröffnung mit dem Lied „Komm Schöpfer Geist, kehr bei uns ein“, bereiten gleich zu Beginn der Veranstaltung eine Spannung, die dem anschließenden Vortragsthema voll gerecht werden wird.

Pater Anselm Grün, OSB, umringt vom Vorstand der Kolpingsfamilie Oberwesel - Foto: Franziskus Weinert

Eine ausgeprägt aufmerksame, aber auch beruhigende Atmosphäre herrscht bis zum Schluss, indem Anselm Grün in eindrucksvollen Segensworten die Zuhörer nach Hause entlässt.

"Achtsam sprechen. Die heilende Wirkung der Sprache wieder entdecken“, lautete der Titel des vortragenden bekannten Benediktiner-Paters aus Münsterschwarzach, zu dem hunderte die Liebfrauenkirche füllten.

Es gehe ihm nicht um die Beurteilung der Sprache Anderer, sondern um die Wahrnehmung der Bedeutung der Sprache. So können Äußerungen verletzend oder ermutigend sein: „Ich möchte vielmehr meine eigene Sensibilität und die meiner Zuhörer für das Geheimnis der Sprache schärfen und Lust darauf machen, mit der eigenen Sprache achtsamer umzugehen.“

Der Ordensmann schildert eigene Erfahrungen in seiner Familie, aus vielen Begegnungen und durch seine Arbeit als Begleiter. So schaffe die achtsame Sprache ein Miteinander, eine Gemeinschaft, die weder bewertet noch moralisiert, sondern von Herzen komme. Die Muttersprache stellt für ihn die Herkunft dar; sie hat etwas mütterliches. Sie bewerte nicht, sondern sie bringt zur Sprache, was ist. „Und die Sprache nährt, sie vermittelt Geborgenheit und Heimat.“

„Doch die Muttersprache ist nicht nur die Sprache, die die Mutter zu uns gesprochen hat, sondern die Sprache selbst wird zur Mutter, die sich uns zuwendet, die uns tröstet, die uns ermutigt und die uns auf all das Schöne unseres Lebens hinweist.“ Und in der Sprache innerhalb eines Dorfes zeige sich die Kultur des Umgangs: wird in erster Linie über Andere gesprochen oder wird das Miteinander gepflegt. Die Sprachkultur wandelt sich permanent, auch durch neue technische Möglichkeiten. Er erwähnt die Empörungskultur in Debatten, in denen es oft nur um die Beurteilung und ein Vorführen von Menschen gehe.

Etliche Beispiele aus dem Lukasevangelium, der Forschung und philosophischen Schriften führt Pater Anselm gut nachvollziehbar an. Er nennt die aggressive Sprache im Dritten Reich als verräterisch; doch die Nationalsozialisten wussten um die Macht der Sprache. „Die Sprache prägt die Räume in denen wir leben und arbeiten.“

Die frühen Mönche hätten das Schweigen als ihren wichtigsten spirituellen Weg angesehen. „Was das Wort, das aus dem Schweigen kommt, bewirkt, zeigt der erste Schöpfungsbericht der Bibel. Am Anfang der Schöpfung war Stille, eine Stille ohne Struktur. In diese Stille hinein hat Gott das Wort gesprochen: Es werde Licht!“ Das Wort gestalte die Stille und bringe Licht in die Welt hinein.

Eine begeisterte Zuhörerschafft nutzte noch gerne die Gelegenheit zum anschließenden Gespräch und dem Signieren von Büchern, durch den wohl bekanntesten spirituellen Autor der Gegenwart.

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