Chronik

Ein lebendiger Musikverein mit langjähriger Tradition

 

Das Blasorchester der Kolpingsfamilie Oberwesel im Jubiläumsjahr 2007 - Foto: Werner KlocknerDas Blasorchester der Kolpingsfamilie Oberwesel kann auf mehr als 80 Jahre Vereinsgeschichte zurückblicken. Damit zählt das Orchester neben der DJK zu den ältesten Abteilungen innerhalb der Oberweseler Kolping-Vereinigung, deren Gründung auf das Jahr 1864 zurückgeht. 1927 fing alles an. Damals rief der in Oberwesel tätige Kaplan Peter Haus eine Blaskapelle ins Leben, die bereits nach wenigen Monaten 35 Musiker zählte. Zum Üben traf man sich einmal pro Woche im Jugendheim an der Martinskirche, wo auch heute noch die Proben stattfinden.

Nach dem 2. Weltkrieg war es der inzwischen verstorbene Gerhard Meyer, der mit seiner Erfahrung als Militärmusiker und Mitglied des Landespolizeiorchesters Rheinland-Pfalz das Kolping-Blasorchester formte und zu einem vielbeachteten Klangkörper heranbildete. Nach fast 40jähriger Dirigententätigkeit übergab Gerhard Meyer, der für seine Verdienste zum Ehrendirigenten sowie Ehrenmitglied der Oberweseler Kolpingsfamilie ernannt wurde, im Mai 1986 die Leitung an Alfons Kowalski. Mit dem aus Oberwesel stammenden Musikpädagogen fand der Musikverein einen überaus qualifizierten Nachfolger.

Unter Alfons Kowalski konnte das Orchester seine Leistungsfähigkeit nicht nur weiter steigern, sondern auch das Repertoire erfuhr eine Erweiterung in Richtung moderner Unterhaltungsmusik. Ein logischer Schritt, zumal das Durchschnittsalter des Orchesters immer jünger wurde. Zum Repertoire gehören neben traditioneller Blasmusik Arrangements von Film- und Musicalmelodien ebenso wie anspruchsvolle Originalkompositionen für Blasorchester oder Bearbeitungen klassischer Musikliteratur. Ihre Uraufführung erfahren viele Musikstücke – zumindest die mit besonderem Schwierigkeitsgrad – beim alljährlichen Konzert im Frühjahr, das bei der einheimischen Bevölkerung großen Zuspruch findet.

Ob Weinfest, Kirmes, Karnevalsveranstaltung oder Weihnachtskonzert; ob Umzüge, Brauchtumsveranstaltungen oder kirchliche Feiern und Feste – die Kolping-Musiker sind das ganze Jahr über gefragt. Doch auch außerhalb der Heimatgrenzen ist das Blasorchester der Kolpingsfamilie inzwischen ein Begriff. So nehmen die Musiker vom Mittelrhein jedes Jahr im Mai am Schützenfest in Kerpen-Horrem teil.

„Weltbekannt“ wurde das Orchester, als es den amerikanischen Präsidenten George Bush 1989 mit dem Lied „Muss i‘ denn“ aus der Rheinstadt verabschiedete. Auch bei Rundfunk- und Fernsehsendungen war man schon öfter mit von der Partie. Zu nennen sind hier die zweimalige Mitwirkung im SWF-4-Liveprogramm an „Tal total“ (1993 und 1996) sowie die Aufführung des „Bürgermeistermarschs“ in der ARD-Sendung „Kein schöner Land“. Als im Jahre 2004 im Fernsehen der dritte Teil von Edgar Reitz‘ „Heimat“-Saga ausgestrahlt wurde, konnten die Zuschauer das Blasorchester in einer Szene erleben, in der der Oberweseler Martinsumzug nachgestellt wurde. Und beim 80. Geburtstag des Vereins 2007 machten die Kolping-Musiker in der SWR-Sendung „Sonntagstour“ mit zwei Musikstücken erneut musikalische Werbung für ihre Heimat.

Die Geselligkeit kommt selbstverständlich im Verein auch nicht zu kurz. Grillabende, Zeltlager für die Jugendlichen, bunte Familiennachmittage sowie mehrtägige Reisen nach Bad Reichenhall, an den Bodensee, nach Amsterdam, München oder Freiburg sind Ausdruck eines lebendigen und intakten Vereinslebens.

Um seine Zukunft muss der Verein nicht bangen, zumal er dank einer konsequent betriebenen Nachwuchsausbildung immer wieder Jungen und Mädchen für die Instrumentalausbildung begeistern kann. Zudem erhalten die Musikerinnen und Musiker finanzielle wie tatkräftige Unterstützung durch rund 160 fördernde Mitglieder. Damit ist das traditionsreiche Blasorchester der Kolpingsfamilie auf dem besten Weg, die Pflege der Blasmusik nicht nur fortzusetzen, sondern ihr auch frische Impulse zu verleihen.